BRACHTENDORF. -thi- Es war ein Schicksalsschlag für die ganze Familie: 1967 erkrankt Anton Bleser schwer. Der landwirtschaftliche Betrieb in Brachtendorf steht vor dem Aus und bedroht die Existenz der zehnköpfigen Familie. Peter Bleser muss als ältester Sohn Verantwortung übernehmen und übernimmt bereits mit 16 Jahren den landwirtschaftlichen Betrieb. An Politik denkt der heutige parlamentarische Staatssekretär zu dieser Zeit nicht mal im Traum – es geht ums Überleben!

In jungen Jahren Verantwortung zu übernehmen, hat Peter Bleser bis heute geprägt. „Ich wurde früh erwachsen. Die Landwirtschaft hat mich geformt“, erklärt er. „Als Bauer lebst du im ständigen Risiko: Die Ernte ist nie sicher, du musst die richtigen Entscheidungen treffen“, fügt der 64-Jährige hinzu. Samstag und Sonntag mal ein entspannter Familienausflug? „So was gibt es nicht – dem Vieh ist egal, ob Samstag oder Sonntag ist, es muss betreut werden.“

Die Politik ist für den jungen Landwirt zunächst Lichtjahre entfernt. Erst als sein Vater ihm rät, in die Junge Union einzutreten, nimmt Bleser mit ihr Erstkontakt auf. Und er versteht schnell, wie effektiv und machtvoll ein politisches Engagement sein kann: „Ich erinnere mich noch genau: Wir hatten zu wenige Ärzte in Kaisersesch. Die Wartezeiten waren unerträglich lang. Es gelang uns, einen neuen Mediziner anzusiedeln. Das war das erste Problem, das wir angepackt haben.“ Ein prägendes Erlebnis für den Brachtendorfer und Ansporn, sich politisch noch intensiver zu engagieren. Kontinuierlich bergauf geht die politische Karriere: 1979 wird Bleser Mitglied im Kreistag,  1990 zieht er in den Bundestag ein.

Peter Bleser parlamentarischer StaatssekretärArbeitszimmer zu Hause

 

Jedoch nicht ohne Widerstände: „Der Bauer, der schafft das sowieso nicht. Was will der mit seiner Schulbildung in der Politik?“, hallte es ihm anfangs entgegen. „Spätestens in Diskussionen merkten meine Kolleginnen und Kollegen dann, dass meine Lebenserfahrung ihrer Schuldbildung ebenbürtig war“, schmunzelt er rückblickend.

Bis heute ist Bleser der Überzeugung, dass die Politik Vielfalt braucht: „Es fehlen in der Politik Praktiker, die von draußen ihre Erfahrungen aus allen möglichen Lebenslagen einbringen. Die Praxis ist entscheidend, nicht die Theorie“, betont er.

Wie sehr die „politische Praxis“ umschlagen kann, erfährt Bleser derweil hautnah. Nach seinem kontinuierlichen politischen Aufstieg, steht er momentan aufgrund der mutmaßlichen CDU-Spendenaffäre gemeinsam mit Ex-Geheimagenten Werner Mauss im medialen Fokus. „Ich habe nach damaligem Wissen nach Recht und Gesetz gehandelt und alles entsprechend der Vorgaben geprüft. Nach Ansicht der Bundestagsverwaltung hätten wir rückblickend bei einem Teil der Spenden vertieft recherchieren müssen. Es ist natürlich dennoch eine belastende Phase“, die ihm auch die ein oder andere schlaflose Nacht bescherte, wie er offen erklärt. Emotional zeigt sich Bleser über den persönlichen Zuspruch: „Es gibt im persönlichen Umfeld keine Verhaltensveränderungen. Ich erhalte Zuspruch aus dem privaten Bereich und von zahlreichen Wählern, die mir ihr Vertrauen aussprechen.“

„Privat“ ist dann auch unser Stichwort: Was macht Bleser eigentlich, wenn es mal nicht um Politik geht: „Der Arbeitstag beginnt in der Regel um 7.30 Uhr und endet zwischen 21 und 22 Uhr. Zeit für Privates bleibt auch wegen der Reisen wenig. Ansonsten bin ich ganz Familienmensch: Acht Enkelkinder halten jung“, schmunzelt er. Auch seinem Sohn, dem er den heimischen Hof in Brachtendorf übergeben hat, steht er bei Bedarf mit Rat und Tat zur Seite.

Bei der kommenden Wahl hofft der Cochem-Zeller wieder auf ein eindeutiges Ergebnis. Denn für die Region möchte er sich weiter stark machen: „Die Entwicklung des ländlichen Raums ist die größte Herausforderung der Zukunft. Die Jugend verlässt für Ausbildung und Studium die Heimat und nur wenige kommen zurück. Das müssen wir ändern – Dörfer und Kleinstädte müssen attraktiver werden.“ Dies will Bleser mit Investitionen erreichen: 95 Millionen hat die Bundesregierung für die Entwicklung des ländlichen Raum bereit gestellt. „Das muss koordiniert werden – in Infrastruktur, Digitalisierung, Arbeitsplatzbeschaffung.“

Dazu zählt auch die Ansiedlung von Ärzten auf dem Land – und hier schließt sich der Kreis. Ganz aktuell ist es Bleser und seinen VG- und Gemeinderäten gelungen, mit einem Projekt, das deutschlandweit für Aufsehen sorgte, einen Arzt in die Region zu locken – und zwar erneut nach Kaisersesch. „Wir haben 100 000 Euro ausgelobt für einen Arzt, der

Peter Bleser, parlamentarischer Staatssekretär, zu Hause, Couch

kommt und sich zum Bleiben verpflichtet. 60.000 Euro davon übernimmt die Kassenärztliche Vereinigung. Die Grundversorgung muss gesichert sein. Sie ist wichtiger als jeder Wanderweg.“

Damit bleibt Bleser sich bei seinem Motto treu: „Menschen bewegt man mit Anreizen, nicht mit Verboten.“

 

Fotos: Thielen