COCHEM/KOBLENZ. -kat- Seine Puppen tanzen in der Luft, doch Björn Christian Küpper ist trotz seines bisherigen Erfolgs auf dem Boden geblieben. Der Marionettenspieler, Sänger und Schauspieler, der schon als Achtjähriger dem Zauber des Puppenspiels erlag, zaubert heute selbst unzähligen Kindern, aber auch Erwachsenen ein Lächeln ins Gesicht. Die Karriere des gebürtigen Cochemers ist Ausdruck dafür, dass Träume wichtig sind, der Blick für die Realität aber genauso. Wer den Kasper spielt, darf im wahren Leben noch längst keiner sein. Aktuell zeigt Küpper sein Können im Stück „Das Dschungelbuch“ bei den Mayener Burgfestspielen. „Die Bühne ist eine Welt für sich“, sagt der 31-Jährige. AM WOCHENENDE traf ihn in Koblenz.

Smartphone, Tablet, TV: Kinder wachsen heute in einer medialen Welt auf. Björn Christian Küpper setzt den krassen Gegenentwurf dazu: Fantasie statt Fernsehen, erleben statt erstarren – er entführt bei seinen Vorstellungen in eine romantische Zeit, die schon in vergangenen Tagen Bestand hatte.

Die Reaktionen der Kids von heute zeigen jedoch: Unterhaltung fernab von digitalen Inhalten ist immer noch in.

Seit einigen Jahren führt Björn Christian Küpper ein Leben aus dem Koffer – im wahrsten Sinne des Wortes. Im Büro seiner Koblenzer Altbauwohnung stapeln sich die verschiedensten Gepäckstücke übereinander.

Jedes davon ist so individuell wie die Marionetten und Handpuppen, die für Auftritte darin verstaut werden. Kasper, Polizist, Petterson und Findus, Räuber Hotzenplotz: Zahlreiche Figuren verleihen dem Raum etwas Nostalgisches. Eine Atmosphäre, die Küpper ganz bewusst geschaffen hat, aus Faszination für ein Theatergenre, das in einer anderen Welt spielt und zeitlos zu sein scheint.

Björn Christian Küpper  mit einem seiner Puppen in Koblenz

Ob als Achtjähriger oder „Anfangdreiziger“, ob in Cochem oder Koblenz: Björn Christian Küpper behielt die Fäden seines Traumjobs immer in der Hand.

Küpper selbst hat diese Faszination schon früh ergriffen. Damals, als er eine Vorstellung im Maifelder Marionettentheater Hansen besuchte, war seine Neugierde geweckt und eine Leidenschaft geboren, die ihn bis heute nicht losgelassen hat.

Bilder aus dieser Zeit zeigen einen Achtjährigen, der sich in seinem Kinderzimmer selbst eine Puppenbühne gebaut hat und fleißig am Proben ist. Eine kindliche Phase? Keineswegs! Nach ersten Vorstellungen im privaten Bereich folgen schon bald öffentliche Auftritte.

In seiner Heimatstadt Cochem präsentiert Küpper bereits in Jugendjahren unterschiedliche Stücke, für die er selbst die Figuren und das Bühnenbild entwirft. Zunächst im Ratskeller am Marktplatz, später im Privathaus seiner Eltern sowie bei zahlreichen Auftritten außerhalb erspielt er sich einen Namen als Nachwuchskünstler. Erst sind es drei Zuschauer, dann 30 und schließlich 300, die seine Auftritte besuchen.

„Ich hatte das Glück mich ohne wirtschaftlichen Druck ausprobieren zu können“, sagt der 31-Jährige rückblickend.

Noch während seiner Schulzeit wird er mit Preisen ausgezeichnet, darunter der Kinder- und Jugendkulturpreis des Landes Rheinland-Pfalz.

Nach dem Abitur studiert er Schauspiel in Koblenz. Dort lernt er Gleichgesinnte kennen, denen Kunst und Bühne ähnlich viel bedeuten wie ihm selbst.

„Das ist eine ganz eigene Welt“, sagt er.

Björn Christian Küpper beim Krimidinner in Brodenbach

Krimi statt Kasper: Neben seinen Auftritten mit den „Koblenzer Puppenspielen“ ist Björn Christian Küpper auch als Schauspieler unterwegs – hier beim Krimidinner in Brodenbach.

Und die sei mal zauberhaft, mal verwirrend und mal einfach nur banal. Auf der Bühne sterbe und liebe man für die Zuschauer, hinter der Bühne gehe das normale Leben weiter. Auch dieses Spannungsverhältnis macht für den Schauspieler den Reiz aus.

Björn Christian Küpper hat Ausdauer, Talent und Beharrlichkeit

Sein persönliches Faible bleibt auch während des Studiums das Kinder- und Jugendtheater. Das bereits in Cochem gegründete Unternehmen führt er weiter, allerdings unter anderem Namen.

Die „Koblenzer Puppenspiele“ führen die Geschichte fort. Küpper gewinnt mit zwei Kommilitonen feste Stammspieler, die ihn bei verschiedensten Auftritten begleiten, und findet im Johanniskloster am Lahnsteiner Rheinufer eine feste Spielstätte. Wie einst seine Vorbilder in Münstermaifeld bietet er damit eine der wenigen stationären Puppenbühnen in Deutschland.

Ob in Lahnstein, bei Gastspielen in Schulen und Kindergärten oder auf Festen und Festivals – der 31-Jährige lebt inzwischen den Traum, den er schon als Achtjähriger hatte. Ehrgeiz, Ausdauer, Beharrlichkeit und Talent sind wohl die größten Säulen, die den Erfolg des jungen Schauspielers begründen. Ein Träumer sei er jedoch nie gewesen.

„Ich bin realistisch geblieben“, sagt er. Es gäbe sicherlich Kollegen, die von Hollywood träumen würden, aber stattdessen ein Taxi in einer Großstadt lenkten, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen.

„Ich bin in der glücklichen Lage von dem leben zu können, was ich am liebsten mache“, freut er sich.

Was so spielerisch und romantisch klingt, ist jedoch hart erarbeitet. Schauspielerei und Puppenspiel im Besonderen verlangen geistige und physische Höchstleistungen. „Mein Körper muss dafür in Schuss sein“, sagt Küpper. Regelmäßiges Kraft- und Ausdauertraining gehören daher für ihn genauso zum Job wie das Einstudieren eines Stückes.

Zahlreiche Marionetten und Handpuppen zieren das Büro von Björn Chritian Küpper in Koblenz.

Zahlreiche Marionetten und Handpuppen zieren das Büro von Björn Chritian Küpper in Koblenz. Einige stammen aus dem Fundus des ehemaligen Maifelder Marionettentheaters.

Wie sonst könnte er so lange die Arme in der Luft behalten oder sich auf engstem Raum bewegen, ohne die Konzentration für das Wesentliche zu verlieren?

Einen Eindruck davon vermittelt sein aktuelles Engagement bei den Mayener Burgfestspielen. Im Kinderstück „Das Dschungelbuch“ kann er seine Fähigkeiten voll ausspielen.

Einmal auf dieser Bühne im Burghof zu stehen – auch davon hatte der gebürtige Cochemer viele Jahre lang geträumt. Doch lange Zeit blieb er lediglich Zuschauer. Im vergangenen Jahr, als der Berliner Daniel Ris die Intendanz übernahm, ergriff Küpper die Chance und bewarb sich um einen Job. Mit einer Rolle im Musical „Der kleine Horrorladen“ ging schließlich sein lange gehegter Wunsch in Erfüllung. Erstmals durfte er auch hinter die Kulissen der Festspiele schauen. Mehr noch: Küpper war Teil davon.

„Drei bis vier Monate kommt eine Crew zusammen, wird fast zu einer Art Familie, und dann trennt man sich wieder“, umschreibt der 31-Jährige das Leben während der aufreibenden Proben- und Auftrittszeiten.

Die eigenen vier Wände als Rückzugsort

Sechs Wochen dauerten die Proben zum aktuellen Stück, im Mai feierte „Das Dschungelbuch Premiere. Bis August werden die Schauspieler die Geschichte um das Findelkind Mogli zeigen. Und danach geht es für den Puppenspieler erst einmal in den Sommerurlaub? Eher nicht. Denn neben seiner Arbeit auf und hinter der Bühne bleibt kaum Raum für Freizeit.

Bei den Burgfestspielen lässt der Puppenspieler die Affen tanzen.

Bei den Burgfestspielen lässt der Puppenspieler die Affen tanzen.

„52 Wochenenden im Jahr sind schnell vorbei“, sagt der Koblenzer Künstler. Ständig gebe es Auftritte oder ein neues Stück vorzubereiten. Nach der Show ist vor der Show. Der nächste Koffer will gepackt werden, allerdings nicht für den Urlaub, sondern für den nächsten Auftritt. Ausgleich findet der 31-Jährige dennoch:

„Wer ständig unterwegs ist, ist glücklich, auch einmal zu Hause sein zu können.“

Seine Entscheidung, sich in Koblenz und Umgebung künstlerisch zu entfalten und nicht in Großstädten Köln oder Berlin hat der 31-Jährige übrigens ganz bewusst getroffen. „Es ist egal, ob ich in München oder Mayen spiele“, betont er. Wichtig sei die Zufriedenheit dabei – die des Publikums und seine eigene.

„Wenn ich vor Leuten etwas gezeigt habe, getanzt oder gesungen habe, wenn ich das Publikum begeistert habe und dafür auch noch bezahlt werde, ist doch alles so, wie es sein soll.“

Weitere Informationen gibt es im Internet auf www.koblenzer-
puppenspiele.de.